DAS MASKENHANDWERK

DAS MASKENHANDWERK

 

„Es war, als wäre er in einem Alptraum aus Matsch und glitschigen Steinen gefangen, stets mit einem Ziel vor Augen, das er niemals erreichen konnte. In einer Höhle liegt ein Tempel, in einem Hügel liegt eine Höhle, in einer weglosen Wildnis liegt ein Hügel … war es zu sehr eine Legende, um wahr zu sein? Selbst wenn es diesen Ort gab, selbst wenn Subesato ihn erreichte – konnte der Tempel wirklich das halten, was er in Subesatos Vorstellung versprochen hatte?

Jedes Mal, wenn die Steinsäule dort oben von einem Blitzschlag erleuchtet wurde, verhöhnte ihn ihr Anblick, verspottete ihn mit ihrem Thronen auf diesem auseinanderfließenden Haufen von Dreck und Würmern. Subesato rannte die Korridore in seinem Kopf entlang, als würde er seinen eigenen Gehirnwindungen folgen, hämmerte an Türen, zog Vorhänge zur Seite, suchte nach einem Schutzraum – doch die aufgepeitschte Luft folgte ihm an jeden Ort, zwängte sich durch die Fensteröffnungen und Ritzen im Mauerwerk, durch die Lichtschächte und Außengalerien.

Eine der Baumsilhouetten weiter oben beugte sich vor, streckte ihre Äste aus und schleuderte Subesato einen Schwarm auf dem Wind reitender Blätter entgegen. Ein klatschender Schlag ins Gesicht, zwei gegen die rechte Schulter, ein ganzes Bündel am Oberkörper, und er musste verzweifelt darum ringen, nicht einfach mit der Sturmböe den Hang herabzustürzen. Klebrige Nässe raubte ihm für einige Sekunden die Sicht, dann blinzelte er sie weg und watete auf einmal gegen die Strömung eines Sturzbaches an. Die Hügelflanke zerlief an immer mehr Stellen, entblößte die Wurzeln der Bäume und riss Erdschichten in flüssigen Lawinen mit.

Das Unwetter musste die Eröffnung des von Südosten über das Meer heranrollenden Sommermonsuns sein, die enthemmte, von allen Fesseln befreite Wucht des Himmels, als ob sich selbst die Wolkendämonen gegen Subesato stellen würden. Die Grundfesten seines Gedankenpalastes erbebten unter der schieren Gewalt, Fackelstäbe stürzten zu Boden, bestickte Wandteppiche lösten sich wie herableckende Zungen, doch er konnte nicht aufgeben, er konnte nur weiterklettern. Er würde die
Armschienen an sich nehmen oder in den Schlammfluten ertrinken, und was gäbe es auch für eine Alternative? Wenn er nicht ein einziges Mal in seinem Leben etwas leisten konnte, hatte er dann nicht den Henker verdient? Aus den Innenräumen seines Verstandes heraus kämpfte er mit der Erschöpfung seiner Muskeln, zog an den Sehnen wie ein Wagenlenker an seinen Zügeln, machte seinen Körper zu einem Werkzeug seines Willens.“

 

– DAS MASKENHANDWERK –

Zwei rivalisierende Reiche, zwei junge Männer, zwei Geschichten. Huapan und Subesato stehen im Schatten ihrer Elternhäuser: Huapan ist der Sohn einer erfolgreichen Kauffrau und Senatorin Huanamthangs, Subesato der des Autarchen von Aurudate. Beide gelangen in den Besitz mysteriöser Artefakte und werden in den Mahlstrom eines losbrechenden Krieges gesogen, der sie von den Ufern des Yamowashi über das monsungetränkte Jadeland bis zu den Dämmerungsbergen führt. Dabei geht es wieder und wieder um Macht, um Rollenerwartungen und die damit verbundenen Fragen: Was bleibt von Subesato, wenn seinen Wünschen keine Grenzen gesetzt sind? Was von Huapan, wenn er mit seiner Maske jedes Gesicht aufsetzen kann? Und gibt es von einmal eingeschlagenen Pfaden noch ein Zurück?

Softcover
Format: 15,2 x 2,5 x 20,5 cm
Pages: 375 pages
ISBN (Softcover): 978-3-8459-2224-9
Pricing: € 11,95

eBook
Format: Kindle/ePUB
Pages: 332 pages
ISBN (Softcover): 978-3-8459-2226-3
Pricing: € 6,99

Fantasy, German, Novel

Publication Date: 1. Juni 2017